Über uns

Westfälischer ABV

75 Jahre Westfälischer Amateur-Boxverband heißt 75 Jahre Boxsport-Tradition
im Land der roten Erde, wie Westfalen auch genannt wird.

Nachfolgende Zeilen sollen das Geschehen im und am Ring, von der Gründerzeit bis heute Revue passieren lassen – soweit es die (aus der Frühzeit spärlichen) Überlieferungen ermöglichen.

Hervorgegangen aus dem bereits 1921 in Köln gegründeten Westdeutschen ABV machte sich der Westfälische ABV 1923 “selbstständig”. Der Start erfolgte unter “Westfälisch-Hessischer ABV”, weil sich unter den Anfangsmitgliedern einige Klubs aus Kurhessen-Kassel, sowie Hann.-Münden befanden.
Beim 1.ordentlichen Verbandstag wurde der Wattenscheider Bernhard Adler zum Präsidenten gewählt, der dieses Amt (mit Ausnahme 1931/33) bis 1945 (!) bekleidete. Obwohl der Verband bereits in den 30er Jahren große Erfolge verbuchen konnte (Olympia-Gold für Kaiser/Gladbeck), will der Chronist die Zeit der “Gleichschaltung” überspringen und die Annalen der “Neuzeit”, dem Wiederbeginn nach dem 2.Weltkrieg widmen.
Die ersten Nachkriegs-DM in Köln brachten bereits zwei Titel für Westfalen : Burger (Münster) im Leicht und Saalfeld (Recklinghausen) im Schwergewicht. 1949 in München und 1950 in Essen gab es jeweils 3 Meister für den Westfalen (bei damals acht Gewichtsklassen !). 1949 trennte man sich von den Nord-hessen und war fortan als Westfälischer ABV tätig. 1950 wurde der Wilhelm Deventer (Bochum) Präsident Unter seiner Regentschaft” (bis 1956) erlebte der Verband eine neue Blüte. Alfred Schweer, Uli Kienast und Erich Schöppner in den frühen 50ern, später die Brüder Johannpeter vom MBR Hamm und viele,viele andere, trugen den Ruhm Westfalens in die deutschen Lande. Auch viele Klubs, Viktoria 08 Dortmund, BSK Bochum – um nur einige zu nennen, waren weit über die Verbandsgrenzen bekannt und gefürchtet. Die ursprünglichen sieben Bezirke des WABV 1953 auf vier reduziert, die dann bis 1990 Bestand hatten ( siehe “Westfälische Strukturen”). 1953 erfolgte auch die Eintragung ins Vereinsregister.Anfang der 60er Jahre, die alten “Kämpen” zogen sich langsam zurück, bzw. wechselten ins Profilager (Werner Mundt, Hans-Dieter Schwartz, Ralf Schäffer), drängte mit den Gebrüder Geißler (Rünthe) Helmut Zettier (Waltrop), Peter Hussing (Siegen) u.v. andere eine neue Generation nach vorn. Auch die Führung des Verbandes erlebte einen Wechsel. Hans Bünting (Soest) löste Wilhelm Deventer ab (1956/57), es folgte Hans Storck (Gelsenkirchen) von 1957-62, Walter Gabriel (Dortmund) 1962/63. Unter Dr. Paul Herzog (Wattenscheid), 1963 – 74, kam es zum Zusammenschluß der westdeutschen Verbände Mittelrhein, Niederrhein und Westfalen zum Westdeutschen ABV. Zwar behielten die Verbände ihre Eigen-ständigkeit, doch bei der Terminplanung für Lehrgänge und Meisterschaften war Koordination angesagt.
Heinz Bätz 1986In der Zwischenzeit erlebten die sportlichen Aktivitäten – wie überall – eine Stagnation, die durch spektakulär aufgemachte Anti-Box-Kampagnen der Medien noch vertieft wurde. In den 70ern, der WABV blickte inzwischen auf ein 50-jähriges Bestehen zurück, gaben Erfolge im Nachwuchsbereich unter Jugendwart Peter Kienast Hoffnung zu einer Aufwärtsentwicklung. Bereits Anfang der 60er Jahre schuf der Jugendwart des damaligen Bezirks Ostwestfalen/Lippe, Otto Schmidt (Bielefeld) mit den der Jugend und dem Nachwuchs gewidmeten Pokalturnieren eine Veranstaltungsreihe, die noch heute Bestand hat und allerorten (wenn auch unter anderen Namen) kopiert wird. Von einst 100 Klubs gaben im Laufe der Zeit fast die Hälfte auf – der heutige Bestand (Dez.2001) beläuft sich auf 61 Klubs, die mehr oder minder aktiv sind. Der inzwischen verstorbene Ehrenpräsident Albert Korte (Bochum) trat 1974 die Nachfolge von Dr.Herzog an, wurde 1978 von Erich Daumann (Bochum) abgelöst, der 1984 aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Ihm folgte Heinz Bätz (Wattenscheid), der dieses Amt bis zu seinem Tod 1995 innehatte. GünterWirchan (Wattenscheid) ist seither der amtierende Präsident der westfälischen Boxgemeinde.Dor zurück zur Chronologie. Unter Heinz Bätz wurde Westfalen das deutsche “Box-Mekka”. Topveranstaltungen, wie die DM 1986 und 93, sowie die DJM 89 und der “Vereinigungskongress” 1990 in Bochum fielen in seine Amtszeit. Nicht unerwähnt sollen die vorbildlich in Bochum ausgerichteten Länderkämpfe bleiben. Im sportlichen Bereich ragte in den 80er Jahren Senkrechtstarter BSK Ahlen heraus, der das Kunststück schaffte, binnen sechs Jahren vom Oberligisten zum Deutschen Mannschaftsmeister der 1.Bundesliga durch zu marschieren. Die Ahlener griffen auf bewährte westfälische Kräfte zurück, wie – um nur einige zu nennen – Jörg Kästner, Walter Broll, Harald Borsutzki, später Uli Besken und Norbert Nieroba. Das Erreichen der 1.Liga forderte Verstärkung. Im BSK-Dress boxten u.a. Rainer Gies, Klaus Niketta, Thorsten Spürgin und Andreas Schnieders und fühlten sich in Westfalen wohl.Neben Ahlen mischte auch der BC Erle jahrelang in der 1. und 2. Bundesliga mit. Für die Farben der Gelsenkirchener kämpften u.a. Michael Kopzog, Heinrich Pichmann und – zeitweilig – auch Rene Weller. Auch die KG der Dortmunder Vereine schaffte als BR Dortmund den Aufstieg von der Oberliga in die 2.Bundesliga, nicht zu vergessen die ÖSG Viktoria 08 Dortmund, die bereits in den 70ern der Oberklasse angehörte und der BSC 21 Wattenscheid, der in der Saison 73/74 in der Oberliga mitmischte. Derzeit vertritt der MBR Hamm (seit 2000) Westfalen in der OL, bzw. (seit 2001) in der 2.Bundesliga.Mit dem Beginn des neunten Jahrzehnts begannen für den WABV die “mageren Jahre”. Konnte noch 1990 in Hamburg der Georg-Dietrich-Wanderpokal für den bei den DM erfolgreichsten Verband gewon-nen werden (nach Kiel 1957, Dortmund 58 und Freiburg 63), war die Titel-Ausbeute 1991 in Köln dürftig. Im “eigenen Haus”, 1993 in Bochum, ging der WABV leer aus (Titelverteidiger Norbert Nieroba schied verletzungsbedingt früh aus) und in Berlin 1994 gingen die DM ohne westfälische Beteiligung “über die Bühne”.Die Verbandsmeisterschaften der letzten Jahre zeigten zwar eine gewisse Aufwärtstendenz – vor allem im Nachwuchsbereich – , doch es ist zu früh, um in Euphorie auszubrechen. Doch die Hoffnung zum nächsten westfälischen Höhenflug wird von der Tatsache genährt, dass der WABV bisher jede Krise berstanden hat.

Klaus Kosfeld

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